Ngosso für Migrantenquote in Führungsjobs

Mit Mireille Ngosso (SPÖ) ist erstmals eine schwarze Frau in den Wiener Gemeinderat und Landtag eingezogen. Die Ärztin will dort vor allem bei Gesundheits- und Integrationsthemen mitreden und fordert etwa eine Migrationsquote in Führungsjobs.

Vorbild ist für Ngosso Deutschland, wo es Quoten gibt, damit „Menschen mit Migrationsbiografien in höhere Etagen hineinkommen und eine Chance haben. Ich glaube, dass es sonst sehr schwierig wird, irgendwo hinzukommen, wenn man nicht dieses Netzwerk und diesen Background hat“, sagte die Gemeinderätin im „Wien heute“-Interview. Ein Drittel aller Wienerinnen und Wiener habe Migrationshintergrund, so Ngosso. Wichtig sei bei etwaigen Quoten jedoch auch die Begrifflichkeit, denn als Migranten zählen aktuell nur Menschen, die im Heimatland der Eltern geboren wurden.

Flucht mit drei Jahren
Ihre Eltern waren mit ihr aus der Demokratischen Republik Kongo geflohen, als Ngosso drei Jahre alt war. In ihrer Familie erlebte sie zudem Gewalt. Als die Scheidung ihrer Eltern näherrückte, sind „meine Mutter, ich und meine Geschwister ins Frauenhaus geflohen und haben über eineinhalb Jahre im Frauenhaus gelebt“, erzählte sie.

In ihrer Schulzeit litt sie unter Rassismus. „Ich habe sehr wenig Unterstützung in der Schule bekommen und habe auch Rassismus von den Lehrerinnen und Lehrern gespürt und es hat wirklich eine Lehrerin gegeben, die gesagt hat: ‚Ich glaube nicht, dass aus dir jemals was werden wird‘.“ Ngosso brach daraufhin mit 16 die Schule ab und begann zu arbeiten. Im Gemeinderat will die Chirurgin gegen den strukturellen Rassismus vorgehen.

Ärztin im zweiten Bildungsweg
Das Arztstudium ergriff sie über den zweiten Bildungsweg und arbeitet mittlerweile in der Klinik Hietzing, wo sie momentan viel mit der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie zu tun hat. „Die Intensivstationen sind fast voll und jetzt kommen die Normalstationen dran“, sagte Ngosso. Die Lage sei angespannt, „weil wir nicht wissen, wie geht’s jetzt weiter“. Die Impfung sei zwar in absehbarer Nähe, aber es gebe immer noch viele Ungewissheiten.

Zu ihrer Angelobung im Gemeinderat kam Ngosso von einer Nachtschicht. Ihr vierjähriger Sohn besucht deshalb weiterhin den Kindergarten, erzählt sie. „Ich muss arbeiten gehen, mein Mann muss arbeiten gehen, er ist auch Arzt. Wir hätten keine Möglichkeit unseren Beruf auszuüben.“ Ein ungutes Gefühl habe sie deshalb aber nicht, zumindest hätte dadurch ihr Sohn ein paar soziale Kontakte. Glücklich sei sie jedoch, dass ihr Sohn noch in den Kindergarten geht. „Ich wüsste jetzt nicht, wie ich mit meinem Kind zuhause lernen sollte“, so Ngosso. Ob Schulen bald wieder öffnen sollen, ist für sie schwierig zu sagen. Es gebe unterschiedliche Studien, ob und in welchem Ausmaß Kinder das Coronavirus übertragen. „Was wichtig ist, dass wir einen guten Plan haben, wie es mit den Schulen weitergehen soll.“

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